Buket Yagci: Baumanagerin aus und in Berlin

Buket Yagci, Baumanagerin

Baumanagerin Buket Yagci arbeitet derzeit auf einer großen und komplexen Baustelle: dem Quartier Heidestraße. In fußläufiger Nähe zum Berliner Hauptbahnhof entsteht dort ein neues Stadtquartier. Wir haben der Berlinerin ein paar Fragen zu ihren Aufgaben gestellt.

Buket, du hast in deiner Heimatstadt Wirtschaftsingenieurwesen mit Vertiefung Bau studiert. Wie bist du ins Baumanagement gekommen?

Das ist zunächst ein echter „Google-Zufall“ gewesen. 2017 war ich auf der Suche nach einer Studententätigkeit im Ingenieurwesen – „Drees & Sommer Baumanagement“ war dabei als zweites Ergebnis angezeigt worden. Nach meiner Kurzbewerbung wurde ich gleich zurückgerufen und die ersten persönlichen Kontakte mit dem Baumanagement am Standort in Berlin waren sofort sympathisch und überzeugend. Tatsächlich so überzeugend, dass ich nach Abschluss meines Studiums am 1. März 2020 einen Vertrag als Baumanagerin unterschrieben habe. 

 

Wie ist es als Berufsanfängerin? Musst du dich oft behaupten, dir Gehör verschaffen?

Da habe ich keine Probleme mit! Ich habe ein gutes Standing und bin überhaupt nicht schüchtern. Ich würde sagen, ich kenne hier alle und alle kennen mich.

 

Wie ist der Frauenanteil auf der Baustelle?

Als ich mit dem Studium anfing, waren wir 8 Frauen bei insgesamt 52 Studierenden. Mittlerweile ist der Frauenanteil an der Uni deutlich höher und auch auf der Baustelle selbst. In unserem Baumanagement-Team im Projekt Heidestraße sind wir fünf Frauen und sechzehn Männer.

 

Was machst du genau auf der Baustelle Quartier Heidestraße?

Das ist eine große, komplexe Baustelle. Wir sind für die Objektüberwachung zuständig, also die Bauleitung. Die Baustelle, deren Planung, Abläufe und Ausführung, wird mit Hilfe des Lean Construction Managements überwacht. Ich bin Expertin für LCM®. Dabei werden die Lean-Prinzipien aus der Fertigungsindustrie und die agilen Methoden aus der Softwareentwicklung auf Bauprozesse und Bauprojekte übertragen. Im besten Falle kommt es durchgängig über alle Phasen eines Bauvorhabens zum Einsatz. Es gibt eine Gesamtprozessanalyse, eine Prozessplanung und ein Aufgaben-Management.

Ein sehr anschauliches und praxisnahes Beispiel ist die Plantafel. Morgens kommen die Vorarbeiter aller Gewerke vor dieser großen Tafel zusammen. Darauf zu sehen: mehrere Spalten mit Kalenderwochen und Tagen – und in jeder Spalte bunte Kärtchen, für jedes ausführende Unternehmen eine andere Farbe. Dort sind die Aufgaben tages- oder wochenaktuell aufgeführt. In nur 15-30 Minuten wird in dieser Runde besprochen, was an dem Tag anfällt, wo es möglicherweise zu Verzögerungen kommt, wie man diese wieder auffängt. Die Tafel schafft nicht nur die Grundlage für eine konstruktive Kommunikation und Diskussion. Sie bildet auch die Basis einer guten Dokumentation fürs Bautagebuch und ist ein probates Mittel, um Behinderungsanzeigen zu vermeiden. Ja, und diese morgendliche Zusammenkunft moderiere und verantworte ich.   

 

Inwiefern ist Nachhaltigkeit beim Projekt Heidestraße ein Thema?

Nachhaltiges Bauen bedeutet einen bewussten Umgang und Einsatz vorhandener Ressourcen, die Minimierung von Energieverbrauch und ein Bewahren der Umwelt. Der Einsatz neuartiger und wiederverwertbarer Baumaterialien, auch das Senken des Energiebedarfs oder aber das Vermeiden hoher Transportkosten durch die bewusste Entscheidung für regionale Bauteile und -stoffe sind dabei von Bedeutung. Das Quartier Heidestraße unterläuft im Bauprozess einer Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.). Je nach Erfüllungsgrad dieser Kriterien erhalten Projekte dann Zertifikate in Platin, Gold, Silber oder Bronze. Auch diesen Zertifizierungsprozess begleite ich für unseren Bereich aktiv. Als junge Bauingenieurin liegt mir eine zukunftsfähig gebaute Umwelt sehr am Herzen.